Die Flexperten Herrlich & Ramuschkat

Flash Player, Mobile und AIR

Nachdem Adobe am Mittwoch angekündigt hat, den Flash Player für mobile Geräte nicht mehr weiterzuentwickeln, stellt sich die Frage, was das im Einzelnen für Flash, AIR, Flex und die Flash Plattform bedeutet.

Aber der Reihe nach – was genau ist passiert?

Adobe hat angekündigt, den Flash Player für mobile Geräte nicht mehr weiterzuentwickeln. Damit ist der Flash Player gemeint, der auf Android Geräten und dem BlackBerry PlayBook im Browser verwendet wird, um Flash-Inhalte auf Webseiten darzustellen. Nicht davon betroffen sind der Flash Player für Desktops (“Flash Player Plugin”) oder die Möglichkeit, Flash-/Flexanwendungen mit AIR als native Anwendung für mobile Geräte zu kompilieren.

Begründet wird diese Entscheidung damit, dass insbesondere auf mobilen Browsern die Unterstützung von HTML5 sehr weit fortgeschritten ist und für viele Anwendungsfälle ein Flash Player nicht notwendig sei. Für alle über pure Webseiten hinausgehende Anforderungen will Adobe verstärkt in AIR investieren und Entwickler in die Lage versetzen, mit AIR native Anwendungen (“Apps”) für die einzelnen Plattformen zu erstellen und über die jeweiligen App Stores (iTunes, Android Market, Amazon Appstore, BlackBerry AppWorld) zu vermarkten.

Fakt ist, dass in der Praxis so gut wie keine optmierten Flash-Inhalte (SWFs) für Mobilgeräte entwickelt wurden, sondern stattdessen bestehende Webseiten in einer leichtgewichtigen und für mobile Geräte zugeschnittene HTML-Version angeboten werden. Hinzu kommt, dass mit der Vielzahl an aktuell verfügbaren mobilen Chipsets, GPUs und CPU-Architekturen (bald kommen die ersten Quad-Core Tablets auf den Markt) ein nicht unerheblicher Entwicklungs- und Testaufwand auf Seite von Adobe entstand, um einen angepassten Flash Player für alle Plattformen vorzuhalten. Die entsprechenden Kosten dürften immens sein – und dem steht kein direkter Umsatz gegenüber, da der Flash Player kostenlos ist.

Gleichzeitig hat Adobe angekündigt, die Weiterentwicklung des “normalen” Flash Players für Desktopgeräte (also das Browserplugin) und der AIR Runtime (Desktop und Mobile) weiter voranzutreiben und kontinuierlich auszubauen. Die aktuelle Version 11.1 des Flash Players für den Desktop wartet z.B. mit einer hardwarebeschleunigten 3D-Engine (Stage3D) auf, Version 12 befindet sich bereits im Entwicklungsstadium und wird voraussichtlich eine Threading/Concurrency-API enthalten. Und auch bei Flex geht es weiter: mit dem kürzlich erschienenen Flex 4.5 Framework und der AIR 3.1 Runtime können Entwickler Anwendungen für Smartphones und Tablets erstellen, die auf iOS, Android und dem PlayBook lauffähig sind.

Wie passt das nun zusammen? Bereits während der Adobe MAX Konferenz, die Anfang Oktober in Los Angeles stattgefunden hat, ist aufgefallen, dass in den Keynotes viel über HTML5/JS/CSS und wenig über Flash gesprochen wurde. Die Botschaft war recht deutlich: Adobe nimmt HTML5 ernst und wird Tools bereitstellen, um Entwicklern und Designern das Erstellen von HTML5-Webseiten zu vereinfachen (als Mitglied des W3C treibt Adobe die Entwicklungen im HTML/CSS Umfeld übrigens auch selber mit an, z.B. mit den kürzlich vorgestellten CSS Shaders)

Aber auch wenn HTML5 in aller Munde ist: noch kann man mit HTML5 nicht 1:1 all das machen, was mit Flash möglich ist. Und anders, als auf mobilen Geräten besteht bei Desktopgeräten eine große Anzahl an unterschiedlichsten Browserinstallationen mit den unterschiedlichsten Funktionalitäten. Zudem wird oft vergessen, dass sich HTML5 derzeit noch im Entwurfsstadium befindet und nicht jeder Browser alle Spezifikation umsetzt (und einige ältere Browser die noch im Einsatz sind können unter Umständen nur sehr eingeschränkt mit HTML5 umgehen)

Adobe gibt Flash nicht auf – Adobe hat akzeptiert, dass HTML5 für einige Aufgaben besser geeignet ist als Flash. Auf der anderen Seite gibt nach wie vor gute Gründe, auf Flash/Flex zu setzen: nämlich immer dann, wenn die Anforderungen nicht anders oder nur mit höherem Aufwand umsetzbar wären. Sei es bei der Erstellung von mobilen Apps für verschiedene Plattformen, umfangreichen browserbasierten Businessanwendungen, hochwertigem Videostreaming mit DRM oder Live-Streaming ohne große Latenzzeiten, oder der 3D-Darstellung in Spielen oder Geschäftsanwendungen.

Weiterführende Links zum Thema:

8 Kommentare

  1. Tobias Rohde am 12. November 2011

    Der Satz “In the long-term, we believe HTML5 will be the best technology for enterprise application development.” aus http://goo.gl/g4p2W in Verbindung mit den dazugehörigen Kommentaren lässt aber reichlich aufhorchen.

  2. Raju Bitter am 13. November 2011

    Aus dem Adobe Flex Team Blog: “In the long-term, we believe HTML5 will be the best technology for enterprise application development.” Das ist wohl das Ende von Flex, es sei denn, Adobe zaubert einen ActionScript 3 -> JavaScript Compiler hervor.

  3. Masu am 14. November 2011

    Hi Dirk,

    Und was ist mit Flex? Any insides?

    http://www.golem.de/1111/87724.html

    Ich haette schon noch gern gesehen wie Flex 5 auf Stage3D (Molehill) gelaufen waere … und vor allem: was ist mit Flash Catalyst? Soll das Spoon Project dann auch an Flash Catalyst arbeiten?

    Grusz,
    masu

  4. Dirk am 14. November 2011

    tja – die Ereignisse überrollen einen förmlich.

    Mehr Informationen, als die von Raju genannten aus dem Flex-Blog kann ich auch nicht anbieten.

    Wie sich Flex unter Spoon und der noch nicht namentlich genannten OS Foundation weiterentwickeln wird, wird sich zeigen. Ich gehe aber davon aus, dass sich viele Entwickler/Committer für das Projekt finden werden und vielleicht steigt ja auch eine Company als Fundraiser mit ein.

    Ich kenne viele große Unternehmen, die Flex einsetzen und diese Anwendungen kann man kurz-/mittelfristig auch nicht durch HTML5-basierte Lösungen ersetzen. Langfristig mag das anders aussehen.

    Insgesamt hätte ich mir gewünscht, dass Adobe solche Entscheidungen erst dann öffentlich bekannt gibt, wenn sie auch Alternativen anbieten können (z.B. die passenden Tools)

  5. Masu am 14. November 2011

    Stimmt … diese Entscheidung ist wirklich alternativlos kommuniziert worden. Ein sehr ungeschickte PR-Aktion. Dass Flex eventuell auch mal unabhaengig von Adobe weiterentwickelt werden wird, war zwar zu erwarten, nur hab ich nicht erwartet, dass es schon so schnell gehen wuerde. Ich dachte, dass Adobe noch bis Flex 5 und Flashplayer 11 (Stage3D) bzw. Flex 6 und Flashplayer 12 (mit Multithreading) mitarbeitet, und dann wuerde es evtl Open Source weitergehen. So haette man dann wenigstens alle wichtigsten (noch) ausstehenden “Java Virtual Machine” – Features in den Flashplayer eingebaut. Mit der Entscheidung schon bei Flex 4.6 auszusteigen erscheint mir da irgendwie falsch. Es ist so als wuerde Adobe nur ne halbe Bauanleitung hinterlassen. Es sei denn Sie ruecken auch noch die Bauanleitung zu Flashplayer 11 und 12 und/oder Flex 5 und Flex 6 raus, so dass auch Spoon alleine die Features (wie z.B. Flex-Stage3D und Mutlithreading) selber implementieren kann.

    Ich hoffe jedenfall, dass Adobe mit dieser ungeschickten Bekanntgabe keine groesze Flex-Stammkundschaft verliert und dass die neue Flex Developer (Spoon) Community die Aufgaben verantwortungsvoll anpacken kann genauso wie am 13ten November 2006 in der Java Community … siehe:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Java_(programming_language)

    Ausserdem hoffe Ich, dass die heutige Flash- und Flex-Entwickler nicht wieder zurueck in diesen unfertigen HTML5-Browserkrieg muessen:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Browser_wars

    Grusz,
    masu

  6. Ray am 15. November 2011

    Hello, ich habe bei dem ganzen das Gefühl, das es noch irgendwas im Busch gibt. Ich entwickle schon seit 6 Jahre Flex-Anwendungen, unter anderem ein komplettes CMS, und bin daher natürlich etwas erschrocken. Wollte gerade gerade ein bisschen “umsteigen” auf Mobile Apps, zweifle hier aber schon ziemlich, was ist wenn als nächstes AIR nicht mehr akzeptiert wird von z.B. Apple und Co. Unglaublich das Adobe selber zuerst schreibt das HTML 5 in Zukunft besser ist, ohne zu sagen was Flex/Flash jetzt noch weitaus besser kann … Cheers, Ray

  7. Masu am 15. November 2011

    Vielleicht sollten wir uns erstmal entspannt zuruecklegen und das Open Spoon Project besser kennenlernen:

    http://zaa.tv/2011/04/360flex-denver-2011–day-2-keynote-spoon/
    http://tv.adobe.com/watch/max-2011-develop/open-source-flex-what-the-spoon-project-means-to-you/

    … und mitmachen :)

    Grusz,
    masu

  8. Sven Ramuschkat am 16. November 2011

    Das Adobe Flex Team hat den Blog Eintrag aktualisiert und ist auf die vielen Kommentare eingegangen. Dabei haben sie vieles richtig gestellt … ich galube die beiden Verantwortlichen haben sich auch schon zu einem PR Seminar angemeldet …

    Haette Adobe diese mit OpenSouce Flex auf der Max angekuendigt, ohne den aktuellen Kontext mit Flash Mobile … waren alle sicherlich begeistert gewesen, denn schon lange wollten wir doch, dass Aenderungen von der Flex Community zurueck ins Flex SDK finden .. was aber nicht der Fall war, und jetzt bekommen wir was wir haben wollten … und muessten eigentlich gluecklich sein.

    Ich bin es ab sofort jetzt auch wieder und hake das Drama umd das Flex SDK als reinen PR Zwischenfall ab. Die beidenFlex Produktmanager sind halt gute Produktmanager und keine PR Profis …

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